Nachruf auf die Lohbergstanne


Mein Freund, der Baum – ist tot,
er fiel nicht im frühen Morgenrot ,
wie die Sängerin Alexandra vor vielen Jahren einmal sang. Nein, der Sturm, der am 20. Juni abends daher kam, wie das Wilde Heer des Rodensteiners, hat den alten Recken zu Fall gebracht. Die uralte „Danne“ , und vielen eine liebe Freundin und ein Wahrzeichen für ihren Standort, den Lohberg, war. Ihr soll ein kleiner Nachruf gewidmet sein.
Über zwei Jahrhunderte blickte sie über Güttersbach hinauf zum Höhenrain bis zur Neunkirchner Höhe und über Crumbach, weit ins Gersprenztal hinein. Viele Generationen hat sie überdauert, die die ihre früher klein parzellierten Felder bestellten. Gute und traurige Zeiten erlebt. Sie erlebte sogar einmal die Geburt eines kleinen Menschen mit, als eine hochschwangere Crumbacher junge Frau auf dem Wege von ihrer Arbeitsstelle in Niedernhausen nach Crumbach von den Wehen überrascht wurde und unter der „Danne“ ein kleines Mädchen zur Welt brachte Ziegeunergruppen diente sie über Generationen als Ratsplatz und ein kleine Bub, der mit Kartoffelkraut zündelte, hätte sie fast in Brand gesetzt. Sie, die „Danne“ , die bis Anfang der sechziger Jahre noch zwei Schwestern hatte, deshalb auch die „drei Dannen“ , war die letzte, die von einem Wald auf dem Lohberg als Randbäume nicht gerodet wurden. Lange haben ihre knorrigen Äste, den Stürmen, Hitze- und Kälteperioden getrotzt. Nun waren ihre „Füße“ , sprich „morsche Wurzeln“ müde geworden, wollten den mächtigen Stamm nicht mehr tragen
und sie stürzte im Kampf mit dem  „wilden Heer“. Statt den drei Tannen haben sich an diesem Platz nun drei wunderbare Eichen selbst gepflanzt . Sie werden das neue
Wahrzeichen für den Lohberg sein. Kiefern wachsen als Einzelbäume an so einem Standort nicht hoch, sie brauchen  den Schutz anderer Bäume. Die Mühe einer solchen Anpflanzung kann man sich  sparen, sie verkrüppeln.

Vielleicht könnte man aus dem Holz der alten Kiefer eine besondere Bank handwerkern. Da wären Ideen gefragt und man könnte sich noch eine Weile an der „Danne“ erfreuen .
 
Text: Inge Weidmann, Bilder: Bernd Sykora.
 3Tannen
 

zur Startseite

[Counter]